Warum die Turnhalle Fenne vor zwei Jahren ganz offiziell zum Denkmal wurde.
Fenne. Als Denkmal hat sie in der Datenbank des Staatlichen Konservatoramts die Objektnummer "fensb179". Und ihr Geburtstag als offiziell (an)erkanntes Denkmal ist der 30. Januar 2001. An diesem Tag, es war ein Dienstag, beschied Patrick Ostermann der Stadt Völklingen: "Die Turnhalle Fenne ist in die Denkmalliste aufgenommen worden." Ein formaler Akt, dem Antrag, Prüfung und Bewertung vorausgingen.
Ostermann leitet die Abteilung Inventarisation beim Staatlichen Konservatoramt. Wir treffen uns mit dem promovierten Kunsthistoriker an seinem Arbeitsplatz in Nachbarschaft zum Saarbrücker Schloss. Ostermann bringt aus seinem Büro die Objektmappe "Turnhalle Fenne" und alte Baupläne mit ins Besprechungszimmer. "Wir sind dabei, die Denkmalliste flächendeckend für das Saarland fortzuschreiben", sagt Ostermann. Derzeit sind etwa 4500 Denkmale erfasst. Ostermann weiter: "Wegen eines beabsichtigten Abbruchs des alten Schulgebäudes bin ich Anfang 2001 nach Fenne gefahren. Das Schulgebäude besaß keine Denkmal-Qualitäten, aber die Turnhalle." Sie war "sofort auffallend" in den Experten-Augen.
Ostermann erklärt, warum: "Jede Zeit hat bevorzugte Bauaufgaben. Schulbau gehörte zu den typischen Bauaufgaben der fünfziger Jahre. Und unter architektonischem und auch authentischem Aspekt ist diese Turnhalle schon ein bemerkenswertes Beispiel der Nachkriegsmoderne im Saarland."
Authentisch, schiebt Ostermann nach, das heiße: Das ist wirklich aus der Bauzeit, nichts Nachgebessertes, nichts Wiederhergestelltes. Nach dem Ortstermin und dem persönlich In-Augenschein-Nehmen spürte Ostermann – ein bisschen wie Detektiv spielen – alte Bau-Unterlagen auf. Dann prüfte der Inventarisator und entschied, die Halle verdiene Denkmalschutz.
In der Datenbank hat er sie wie folgt beschrieben: "Volksschule Fenne, nach einem 1956 verfassten Entwurf des Stadtbaurats Hoferer (Stadtbauamt Völklingen) 1957-60 als Solitär errichtet. – Auf Stützen...gestellter, auskragender und mit einem weit ausladenden Flachdach schließender Stahlbetonrahmenbau von 17 Fensterachsen, diese an beiden Längsfronten durch Stahlbetonschürzen voneinander abgesetzt. Stirnwände unbefenstert. – Das Untergeschoss mit offener Pausenhalle, zwischen den Stützen eingebauten Umkleide- und Waschräumen sowie einem Treppenhaus; das Hochparterre mit Turnhalle, abgetrennten Geräteraum und darüber liegendem Spielraum..." Stützen? Auskragend? Die Baupläne, die auf dem Tisch liegen – Vorder- und Rückfront, Seitenansicht, Grundrisse – sowie die Worte und die Gestik des Fachmanns verdeutlichen dem Laien das Typische: Die Halle steht sozusagen "auf Füßen". Französischer Einfluss, sagt Ostermann, soll dem Bau eine gewisse Leichtigkeit geben. Auf diesen Stützen in drei Metern Höhe sitzt die Turnhalle mit abgetrenntem Geräteraum drauf. Sechs Meter hoch. Zusammen eine Breite von 33 Metern und eine Tiefe von zwölf Metern. Nach allen Seiten weit über die Stützpfeiler hinaus. Das also ist das "Auskragen".
Inventarisation ist das eine Referat beim Staatlichen Konservatoramt. Die Praktische Denkmalpflege wiederum ist in drei Gebietsreferate unterteilt. Was bedeutet es nun in der Praxis für Sanierungsmaßnahmen, wenn ein Gebäude oder ein Gebäude-Ensemble einen Listenplatz in Sachen Denkmalschutz hat? Wem ein Bauwerk unter Denkmalschutz gehört, der weiß: Wenn wir was machen wollen, müssen wir es zunächst mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abstimmen. Das ist normalerweise ein kommunales Amt. Im Fall der Turnhalle Fenne, wo eine Kommune Besitzer ist, wendet sich die Stadt Völklingen an die Obere Denkmalschutzbehörde. Auflagen können eine Sanierung teuer werden lassen. Und letztlich, sagen die Eigentümer, sei alles eine Frage des Geldes und möglicher Zuschüsse. Wer bezahlt was? Doch auch denkmalverträgliche Lösungen können spannend sein und sich rechnen, betonen die Denkmalschützer.
Erschienen: 05.02.2003
Copyright: Saarbrücker Zeitung