Presseschau: Der Tannenhof im Großrosseler Ortsteil Karlsbrunn

Ein steinernes Zeugnis stolzen Bürger-Sinns

Der Tannenhof im Großrosseler Ortsteil Karlsbrunn steht jetzt unter Denkmalschutz

Von DORIS DÖPKE

Der Warndt ist um ein Denkmal reicher: Das Landes-Konservatoramt stellte den Karlsbrunner Tannenhof, in den 20er Jahren von einem Kaufmann als Wohnhaus errichtet, später als Gasthof genutzt, unter Schutz.

Großrosseln-Karlsbrunn.
Gewöhnliche Gebäude stehen einfach. Der Tannenhof thront. Auf einer Anhöhe, just dort, wo es zum Wildfreigehege geht. Beste Aussicht, unverbaubar: Der Blick schweift über die Ausflügler-Autos im Tal übers Dorf zum Horizont; rechts gegenüber ragt das Jagdschloss auf, links der Kirchturm. Doch mag der Bau auch thronen, herrisch wirkt er nicht. Seine Rückfront schmiegt sich bescheiden in den Warndtwald, hohe Bäume verhüllen ihn diskret von vorn; die hellbraunen Sandstein- und Putz-Mauern, das dunkelbraune Dach fügen sich harmonisch in die Umgebung ein. Das eigenwillige Gesicht des Hauses erkennt man erst aus der Nähe. Ein runzliges, ungeschminktes Gesicht: Putz-Risse, an den Metallteilen Rost und blätternde Farbe. Macht nichts, das Haus ist in Würde gealtert, hat seinen Charakter bewahrt. Repräsentativ, doch schlicht. Ohne Auftrumpfen. Gelassen lässt es die Kirche im Dorf, das Fürstenschlösschen auf dem Meisenberg – steinernes Zeugnis bürgerlichen Selbstbewusstseins. Auch architektonisch ein Zeugnis seiner Zeit, der 1920er Jahre. Also ein Denkmal (siehe Infokasten). Genau das ist der Tannenhof nun auch offiziell: Das Landes-Konservatoramt hat den Bau in die Denkmalliste aufgenommen.

Rückblende. Ein kalter Morgen im vergangenen November. Kristine Marschall, beim Konservatoramt zuständig für Denkmal-Inventarisierung, und ihr Kollege Axel Boecker, der die Denkmäler im Stadtverband betreut, sind im Warndt unterwegs. Ihr Vorhaben, bei dem sie sich über die Schulter schauen lassen, heißt Listen-Revision. "Routine", meint Boecker: Der Denkmal-Bestand wird neu unter die Lupe genommen. In welchem Zustand befinden sich geschützte Bauten derzeit? Sind die Baubeschreibungen der Denkmalliste exakt genug? Gibt es im selben Ort weitere denkmalwürdige Gebäude? Beim Jagdschloss, wo die Karlsbrunn-Rundtour beginnt, notiert Kristine Marschall eine präzisere Baubeschreibung. Von dort geht's weiter in die Schlossstraße. Ein kurzes Stück mit dem Auto, anhalten, Jahreszahlen über Türen entziffern, Ornamente an Fensterstürzen begutachten, ein paar Fotos. Weiter, noch etliche Male die gleiche Prozedur. Nein, nichts, was nach Denkmal aussieht, erklärt Kristine Marschall. Allenfalls die Prädikate "erhaltenswert" oder "ortsbildprägend" mag sie vergeben. Denn überall wurde so viel um- oder angebaut, dass der Zeitzeugen-Charakter der Bauten verloren ist – hier neue Fenster, dort geglättete Fassaden, hier eine Dachgaube, die die Bau-Proportionen sprengt, dort ein abgerissener Bauteil. Wenden, die andere Straßenseite, systematisches Arbeiten. "Wenn ein Auto langsam durch den Ort fährt und die Insassen alle Naselang aussteigen und sich umsehen, sind's nicht immer Einbrecher auf der Suche nach Tatorten", juxt Boecker. "Naja, soo viel beliebter sind wir auch nicht", gibt Marschall trocken zurück. Routine.

Bis Boecker die Kollegin zum Parkplatz unterhalb des Wildfreigeheges dirigiert. Ein kurzes Stück Fußweg bergauf, Marschall beschleunigt ihre Schritte: "Mensch, was haben wir denn da?" Sie lässt die Kamera klicken, murmelt: "20er Jahre, das ist selten im Saarland." Und zählt auf: Die runden Eck-Erker sind original, ebenso Fenster, Türen, Balkone, Geländer; "ob es innen auch so aussieht?"

Zurück zur Gegenwart. Ja, auch innen im Tannenhof, bei Treppen, Fliesen, Türen, sind die Spuren des Erbauers erhalten. Spuren des Tabak- und Holzhändlers Christian Göbel, der den Bau 1923 als Wohnhaus errichten ließ und dann nicht genießen konnte – er starb 1927 an den Folgen eines Reitunfalls; seine Witwe Katharina musste ihre drei Kinder allein ernähren. Sie packte es tatkräftig an, wandelte das Haus zur Gaststätte um; das ist es bis vor wenigen Jahrzehnten geblieben. Vielleicht, so meinen die heutigen Eigentümer, die das Haus gern verkaufen würden, könnte das auch die Zukunft des Tannenhofs werden.

Erschienen: 02.03.2004

Copyright: Saarbrücker Zeitung

 

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