Zu Gast in der Redaktion
Von SZ-Redakteurin Doris Döpke
Völklingen/Großrosseln. Jahrzehnte des Kohle-Bergbaus haben dem Stadt- und Landschaftsbild in Völklingen, in Großrosseln und drumherum ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Was wird aus den typischen Bauten, wenn die Förder-Anlagen in der Region ihren Betrieb einstellen? Zum Gespräch darüber war Ulrike Wendland, Leiterin des Staatlichen Konservatoramtes, in der Regionalredaktion Mitte der Saarbrücker Zeitung zu Gast, gemeinsam mit ihren Kollegen Kristine Marschall und Axel Böcker.
Durchaus denkbar, dass außer Betrieb gestellte Bergbau-Anlagen zu (Industrie-)Denkmälern werden, lautet die Antwort – wenngleich es dabei immer eine genaue Einzelfall-Prüfung gebe, keinen Automatismus. Wenn Bauten zu Denkmälern erklärt würden, so sagt es Wendland, dann nicht "aus archivalischem Wahn". Sondern weil diese Bauten Dokumente der Kultur-, Bau-, Sozial-, Wirtschafts- oder Technikgeschichte sind. Und oft für die Menschen Zeichen der eigenen historischen Identität – wo das zutreffe, seien Denkmalpfleger gefordert, für die Erhaltung nicht mehr genutzter Industrie-Anlagen einzutreten.
Sie haben es in St. Nikolaus bereits getan, haben die Tagesanlagen des Schachtes Merlebach-Nord zum Denkmal erklärt, die die französische Bergbaugesellschaft HBL in den Nachkriegsjahren auf deutschem Gebiet errichtet hatte. Wobei nur ein kleiner Teil des riesigen Geländes unter Schutz stehe, erläutert Kristine Marschall, im Konservatoramt zuständig für die Denkmal-Inventarisierung. Was mit diesem Denkmal künftig geschehen solle, werde derzeit geprüft; angesichts des guten Bau-Zustands könne es problemlos eine Zeitlang "im Wartestand" bleiben.
Geprüft wird auch die Zukunft der Luisenthaler Bergbau-Anlagen, von denen ein Teil schon jetzt unter Schutz steht. Der "dickere Brocken" aber wird nach Wendlands Ansicht das Areal der Grube Warndt in Karlsbrunn sein. Das letzte Bergwerk, das an der Saar gebaut und in Betrieb genommen wurde – schon das ein wichtiger Aspekt. Auch mit Blick auf technische Fragen sei die Prüfung bei der Grube Warndt eine besondere Herausforderung. Deshalb will das Konservatoramt sich dabei auf Sachkunde von außerhalb stützen, ein externes Gutachten in Auftrag geben. Aus fachlichen Gründen: Man müsse mit Anlagen außerhalb des Saarlandes vergleichen, mit denen externe Experten besser vertraut seien als die hauseigenen Fachleute. Und auch, um spätere Entscheidungen herauszuhalten aus örtlichen Konflikten. Wobei es um Fördertürme selten Streit gebe. Eher um Maschinen und Bauten. dd
Zur Person
Die Redaktions-Gäste:
Ulrike Wendland, promovierte Kunsthistorikerin, leitet seit 2002 das Staatliche Konservatoramt des Saarlandes.
Kristine Marschall, ebenfalls promoviert, ist im Konservatoramt für Bauforschung und Inventarisation zuständig.
Axel Böcker kümmert sich im Konservatoramt um praktische Denkmalpflege im Stadtverband Saarbrücken.
Erschienen: 19.08.2004
Copyright: Saarbrücker Zeitung