
Gouvy, heute in Deutschland und Frankreich nur wenigen bekannt, war zu seinen Lebzeiten vor allem in Deutschland ein angesehener Komponist. Zu seinen Freunden gehörten Brahms, Mendelssohn, Liszt und Schumann.
1850 schrieb die Allgemeine deutsche Zeitung über Gouvys Sinfonie F, es sei das Werk eines Franzosen, der es verstehe, deutschen Ernst mit der Eleganz seines Vaterlandes zu verbinden. Gouvy verstand sich als kompromissloser Verteidiger der »reinen« Musik. Programm-Musik war ihm ein Gräuel.
Lange vor dem Elysee-Vertrag versuchte Gouvy, Deutschland und Frankreich einander kulturell näher zubringen.
Vita:
Th. Gouvy wurde 1819 als Spross einer französischen Industriellenfamilie im heutigen Saarbrücken (Stadtteil Schafbrücke) geboren. Er begann mit einem Jurastudium in Paris, wandte sich bald aber mehr und mehr der Musik zu. Er studierte u. a. bei Herz, Kalkbrenner und C. Eckert, einem Schüler von Mendelssohn. Reisen führten ihn nach Deutschland und Italien, und er begann die Konzertpodien in Leipzig und Berlin zu erobern. Seine 2. Sinfonie wurde im Gewandhaus in Leipzig uraufgeführt. Er traf Rossini und spielte mit Liszt vierhändig. Er kannte alle Größen der Musik seiner Zeit, mit vielen korrespondierte er, darunter mit Gounod, Saint-Saens, Bizet, Massenet, Chabrier, Pablo de Sarasate und anderen. Dem 50jährigen öffneten sich dann auch die renommierten Pariser Konservatoriumskonzerte. Er wurde 1894 Mitglied der Pariser Akademie der Künste, ein Jahr später auch der Berliner Akademie der Künste. Ab 1868 lebte er in Hombourg- Haut in Lothringen. Seine Musik – Gouvy schrieb vor allem Sinfonisches und große Chorwerke - geriet im 20. Jahrhundert fast vollständig in Vergessenheit. Seit Anfang der 90er Jahre wurden Gouvys Werke wiederentdeckt und man fand einen beachtenswerten kreativen Kopf des 19. Jahrhunderts wieder.
Autor: Dr. Friedrich Spangemacher, SR2
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