Kommt ein Fremder, wird die Unterhaltung im lothringischen Dialekt leiser. Dann rückt der ältere Mann ein wenig näher zu seiner Gesprächspartnerin, und nur noch wenige Gesprächsfetzen im vertraut fremdartig klingenden lothringischen Dialekt wehen herüber. Der Schäferhund des Mannes blickt gelangweilt und tappst auf dem rötlichen Schotterweg, der sich durch die schlauchartige Grünanlange schlängelt. Fährt man von der Schnellstraße aus Sarreguemines kommend im Zentrum von Bitche nicht nach rechts zu den großen Parkplätzen der Zitadelle, sondern nach links, findet man mit etwas Glück den „Jardin pour la paix“ – auf den ersten Blick nicht mehr als ein Weg, ein paar Bäume und mehrere quadratisch angeordnete Beete.
Das Schild auf dem noch neu aussehenden Parkplatz erinnert in seiner Holz-Kunststoff-Konstruktion an eine Baustellen-Informationstafel. Der „Garten für den Frieden“, so steht darauf geschrieben, gehört zum Saar-Lor-Lux Projekt „Gärten ohne Grenzen“. Insgesamt 13 Parkanlagen von einem Barockgarten im Kloster Schengen, einem alten Pfarrgarten in Tünsdorf oder dem Garten der römischen Villa in Borg sind in diesem Projekt derzeit zusammen gefasst. Der Garten in Bitche verwandelt Geschichte in Natur.
Bitche ist seit Jahrhunderten eine Militärstadt. Zu regionaler Berühmtheit kam sie im Jahr 1870, als die Zitadelle über ein halbes Jahr der deutschen Belagerung Widerstand leistete. Oft wechselte die Stadt nach kriegerischen Auseinandersetzungen die Nationalität. 7500 Menschen leben in Bitche, etwa 2000 davon sind noch Soldaten. Das 4. Panzerregiment der französischen Armee ist hier stationiert. Das Thema Krieg und Frieden wurde auch zum Thema des Gartens.
Soldatisch streng wirkt die Anordnung der Pflanzen an manchen Stellen. Dazwischen sind Bereiche einer anarchischen Urwüchsigkeit angelegt. Wunderschön beispielsweise der Blick über blau blühende Wiesenblumen auf eine Allee aus Ahornbäumen.
Lange verweilt der alte Mann mit seiner Gesprächspartnerin im Garten. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Dächer von Bitche und die umliegenden Hügel.
Die verschiedenen Pflanzenanordnungen symbolisieren die Regionen der Welt. Die Farben Grün, Blau und Weiß sind für die nordischen Länder bestimmt. Bei den südlichen Regionen wie Afrika oder Südamerika dominieren Schwarz, Gelb und Purpur. Östliche Länder wie Orient, Indien oder Japan sind durch Dunkelblau, Orange und Violett charakterisiert.
In diesem Teil des Gartens werden die Formen weicher und verschlungener. Gleichzeitig stellen diese verschiedenen Pflanzenzonen Gegensätze, die sich aufheben, dar. Aggressive und „knallig“ wirkende Gewächse stehen immer neben weicher aussehenden farblich lieblicheren Pflanzen.
Glockengeläut von der nahe gelegenen Kirche verbreitet eine friedvolle und idyllische Stimmung. Der Alte trottet weiter und verschwindet schließlich in einem der unmittelbar über dem „Garten des Friedens“ erreichbaren Privatgrundstücke. Dort füttert er seine Katzen. Er wirkt freundlich, wie einer, der stolz ist, wenn sich andere Leute mal seinen Garten ansehen.
Autor: Karsten Neuschwender
Bilder:
www.schencksreisefuehrer.de
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